Wer sich heute für ökologisches Bauen entscheidet, sucht meist mehr als nur einen Dämmstoff. Gefragt sind Materialien, die baubiologisch sinnvoll sind, eine hervorragende CO₂-Bilanz aufweisen und sich in der Praxis bewähren. Hanfsteine (Hanfkalk) rücken dabei immer mehr in den Fokus. Sie vereinen thermische Isolierung mit einer hohen Kapillaraktivität und thermischer Masse – eine Kombination, die im modernen Massivbau oft verloren gegangen ist.
Warum Hanf? Die Materialeigenschaften im Detail
Hanfsteine sind im Kern ein Verbund aus Hanfschäben und Kalk als Bindemittel. Als nichttragendes Mauerwerk konzipiert, umschließen sie eine tragende Struktur (z. B. aus Holz, Kalksandstein oder Beton). Der entscheidende Vorteil liegt in der Phasenverschiebung: Die Steine schützen im Sommer effektiv vor Überhitzung, während sie im Winter die Wärme im Haus halten.
Gleichzeitig puffern sie Feuchtigkeit extrem gut ab. Durch die hohe Diffusionsoffenheit wird Kondensatbildung vermieden, was das Risiko für Schimmel minimiert und für eine spürbar bessere Luftqualität sorgt.

Hanfsteine in der Praxis: Drei Ansätze
1. Urbane Nachverdichtung in Berlin
In einer Berliner Baulücke entsteht derzeit ein dreigeschossiges Stadthaus, das konsequent auf Hanf-Baustoffe setzt. Zwischen zwei Brandwänden gelegen, zeigt das Projekt, wie Hanfsteine auch im engen städtischen Raum funktionieren. Neben der ökologischen Bilanz – Hanf speichert während seines Wachstums mehr CO₂ als bei der Produktion der Steine freigesetzt wird – ist hier vor allem der Schallschutz ein Argument. Das Material dämpft den urbanen Lärm spürbar und schafft im Inneren eine Rückzugsoase. Mehr zu diesem einzigartigen Projekt findest du bei Hemp! there it is und auf urbancleanbuilding.de, der Seite des Architekten Michael Bader.
2. Gewerbe und Wohnen kombiniert: Halle (Saale)
Beim Neubau eines Gartenbaubetriebs in Halle stand die Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig hohem ökologischem Anspruch im Vordergrund. Hier wurden 15 cm starke Hanfsteine als äußere Hülle vor eine Kalksandstein-Konstruktion gesetzt. Diese Kombination nutzt die Tragfähigkeit und Masse des Kalksandsteins innen und die Dämmwirkung des Hanfs außen. Besonders für dich als Selbstbauer ist dieses System interessant: Die großformatigen Steine lassen sich mit handgeführtem Werkzeug präzise zuschneiden und komfortabel verarbeiten.
3. Sanierung im Bestand: Fachwerkhaus auf Fejø
Das Hanfsteine hervorragend mit historischen Konstruktionen harmonieren, zeigt ein Projekt auf der dänischen Insel Fejø. Bei der Sanierung eines Eichenfachwerks wurden die Gefache mit 9 cm starken Hanfsteinen ausgemauert. Innen sorgt eine zusätzliche Vorsatzschale aus Hanf für Behaglichkeit. Wichtig bei solchen Projekten ist das System: Ein mineralischer Kalk-Grundputz (wie der HP 9) und ein diffusionsoffener Anstrich (z. B. die titandioxidfreie Silikatfarbe BEECKOSIL) stellen sicher, dass die Wand kapillaraktiv bleibt und Feuchtigkeit ungehindert abtransportiert werden kann.
Worauf es bei der Verarbeitung ankommt
Wenn du planst, Hanfsteine einzusetzen, solltest du drei Punkte beachten:
Entscheidend ist die erste Lage: Wie bei jedem Planstein-Mauerwerk entscheidet die absolut waagerechte erste Schicht über den Erfolg der gesamten Wand.
Systemtreue: Hanf funktioniert am besten im Verbund mit mineralischen Putzen. Lehmputze im Innenbereich ergänzen die feuchteregulierenden Eigenschaften des Hanfs ideal.
Konstruktiver Schutz: Achte bei der Planung auf Details wie Dachüberstände und diffusionsoffene Unterdeckplatten im Dachbereich, um die Konstruktion langfristig vor Witterung zu schützen.
Hanfsteine sind kein „Trendprodukt“, sondern eine logische Antwort auf die Frage, wie wir heute massiv und doch ökologisch bauen können.
















