Ehrliche Produkte – ganz ehrlich deklariert?

An dieser Stelle wollen wir Ihnen Überblick verschaffen: einerseits über unsere Produktphilosophie, andererseits über Probleme, Fallstricke und Illusionen aus der großen Welt der Baustoffe.

Es ist unser Hauptanliegen, im Lehm-Laden nur vernünftige, gute, gesunde und hochwertige Baustoffe zu vertreiben. Aber was heißt „gut“? Ganz einfach: Gut sind Baustoffe dann für uns, wenn wir selbst sie mit Freude und ohne jedwede Risiken beim Bau unserer eigenen vier Wände verwenden würden – kurz: was wir ökologisch, ethisch und gesundheitlich verantworten können. Und diese Verantwortung hat viel mit Ehrlichkeit und Fairness zu tun.

Informationen vorenthalten

Von hier, von der Warte der Ehrlichkeit und Fairness aus, lohnt es sich, in die entgegengesetzte Richtung zu blicken. Viel zu häufig wird Kunden etwas vorgegaukelt und sie erhalten etwas anderes als erwartet. Ein einfaches Beispiel ist der Kalkputz – oder der sogenannte Kalkputz, bei dem es sich mitunter nicht um ein Kalkprodukt handelt, sondern lediglich um ein kalkhaltiges Zementprodukt, um es übertrieben darzustellen. Jedenfalls ist es so, dass die meisten der als Kalkputz deklarierten Baumarktwaren zementhaltig sind. Wo ist der Nachteil, ist das nicht egal, der ist doch schön fest und überhaupt kommt's ja drauf an, was man draus macht?, könnten Sie jetzt sagen. Doch leider ist es nämlich gar nicht egal und es gibt Nachteile: Zement ist – im Gegensatz zu Kalk – nicht so diffusionsoffen. Mit einem zementhaltigen Putz dichten Sie Ihr Gebäude so ab, dass Feuchtigkeit deutlich schlechter von innen nach außen diffundieren kann. Bei einigen Putzarten werden Festigkeitsklassen benötigt die schlechterdings nur durch die Zugabe von Zement möglich sind.

Um herauszufinden, ob ein Putz Zement enthält oder nicht, ist ein solides Wissen über Produkteigenschaften notwendig, das so normalerweise nicht im Repertoire von Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher vorhanden ist. Erst das Kleingedruckte im Produktdatenblatt deklariert die Bestandteile – und ohne tieferreichende Kenntnis sind Wörter wie „Mörtelgruppe“, „Bindemittel“, „Festigkeitsklasse“ oder „Zuschlag“ nur leere Hülsen. Die Aufklärung müssten daher eindeutig die Produzenten, in diesem Fall das Kalk- und Zementwerk, in normalverständlicher Sprache leisten. Da eine solche Deklaration normalerweise nicht erfolgt, ist das unseres Erachtens eine Täuschung des Kunden – mal ganz zu schweigen davon, dass sich kein Produzent zementhaltiger Produkte befleißigt, ihre Kunden darüber aufzuklären, wie schädlich ein Zementputz für ein Haus sein kann.


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Transparent und (diffusions-) offen

Aus diesem Grund, nämlich um der Transparenz – und nicht zuletzt der Diffusion – willen finden Sie im Lehm-Laden nur ordentlich und ehrlich deklarierte Baustoffe, die bauphysikalisch und baubiologisch einwandfrei sind und hinter denen wir voll und ganz stehen: Produkte, die in ihrer Zusammensetzung rein oder zumindest in ihrer Beschreibung klar sind. Außerdem finden Sie immer Alternativen. Wir bieten nicht nur ein einziges Produkt für eine spezifische Anwendung an, sondern eine gewisse Auswahl innerhalb einer Produktgruppe, damit Sie nicht diesen singulären Artikel kaufen müssen.
Natürlich entstehen auch im Bauprozess, wie immer im echten Leben, Kompromisse. Stellen Sie sich vor, Sie haben endlich das wunderschöne, historische Haus Ihrer Träume gefunden und erworben. Da begegnen Sie nicht nur den Besonderheiten der alten und ursprünglichen Bausubstanz, sondern auch solcher aus den letzten paar Jahrzehnten, während derer viel gut gemeintes den Häusern arg zusetzte und verschlimmbesserte. Da finden Sie Untergründe vor, die nicht optimal, aber aus irgendwelchen Gründen nicht rückbaubar sind. Und für genau Ihren Fall gibt es zwar eine Grundierung, doch die ist dann leider dispersionshaltig. Einfach aus dem Grund, weil bei genau diesem Untergrund keine andere Grundierung funktioniert. (Glauben Sie uns: Es ist nicht so, dass niemand es anders, sprich ohne Dispersionen, versucht hätte. Eine solche Lösung wird im ökologischen Bauen immer nur dann empfohlen, wenn die Verwendung reiner, zusatzfreier Baustoffe nicht zielführend ist.)

Gewissenhaft ökologisch

Im Lehm-Laden ist jedes Produkt, das nicht ausschließlich aus organischen oder mineralischen Inhaltsstoffen besteht, entsprechend deklariert. Zudem versuchen wir auch immer, eine ökologische Alternative anzubieten (und erläutern auch die Vor- und Nachteile, die die Verwendung der einzelnen Varianten mit sich bringt).
Vertragen Sie noch ein Beispiel, welches Sie auch in der Produktpalette des Lehm-Ladens finden? Gerne: Armierungsgewebe. Landläufig heißt man sie Glasfasergewebe. Leider ist dies irreführend: Tatsächlich handelt es sich um dünne, grobmaschig gewebte Glasfilamente, die jedoch in einem so hohen Maße mit einer kunststoffhaltigen Appretur ertüchtigt sind, dass sie eigentlich Kunststoffgewebe heißen müssten.
Die Liste ließe sich, insbesondere bei den konventionellen, krude deklarierten Baustoffen, noch lange fortsetzen.
Hier jedoch lieber noch ein paar allgemeine Worte zu unseren Lieferanten: Wir setzen bei der Lieferantenauswahl ein zumindest grundlegendes (bau-)ökologisches Verständnis voraus. Einige Hersteller, beispielsweise diejenigen von Baumaschinen, die normalerweise mit dem ökologischen Bauen nichts zu tun haben, machen es uns manchmal schwer darin, unsere beiden Firmenphilosophien übereinzubringen. Doch manchmal lassen sich allein durch den Dialog mit solchen Herstellern auch Erfolge erzielen: Erst neulich konnten wir einen Maschinenhersteller davon überzeugen, statt der üblichen Plastikchips ein ökologisch verträglicheres Material zum Schützen der Fracht zu verwenden. Zumindest die Pakete, die den Lehm-Laden erreichen, sind inzwischen mit dem alternativen Füllmaterial gepackt – und wir haben die Hoffnung, dass der Hersteller es inzwischen bei allen seinen Kunden so handhabt.
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