Kalk - Baustoff mit Geschichte

KALKPUTZ IN ALL SEINEN VARIANTEN

Natürliche Hydraulische Kalke – NHL

NHL, die Abkürzung für Natural Hydraulic Lime, ist ein natürlich hydraulischer Kalk. NHL gibt es in verschiedenen Festigkeitsgruppen. NHL 2 ist der weichste unter den natürlich hydraulischen Kalken. Ihn verwendet man für relativ weiche Putze und für weiche Mauerfugen, wie sie beispielsweise in einem Fachwerkhaus vorkommen. NHL 3,5 ist etwas fester und wird zur Mischung von Putz oder Mörtel im Ziegelbau verwendet. Der NHL 5 ist schon deutlich fester. Er ist optimal für die Verwendung in einem massiv gemauerten, modernen Mauerwerk.

Die Baustoffe aus Kalk, also Putz oder Mörtel, bestehen immer aus einer Mischung von Sand und einem NHL. Die Festigkeitsklasse des NHL und das Mischungsverhältnis zwischen Kalk und Sand bestimmen die Festigkeit Mischung. Weitere Zuschläge können zugegeben werden, um die Eigenschaften zu beeinflussen. So beschleunigt Holzkohlenasche beispielsweise das Abbinden und Zitronensäure verzögert es, Ziegelmehl verbessert das Stehvermögen und Leichtzuschläge haben einen Dämmeffekt.

Die chemische Zusammensetzung des Kalkgesteins an der Abbaustelle bestimmt die Festigkeit des natürlichen Kalks. Verschiedene Silikate im Kalkgestein sind für die jeweilige Festigkeit verantwortlich.

Des Weiteren unterscheiden sich die Kalke in ihrer Farbe: Je nach Lagerort des Rohgesteins und seiner Reinheit ist der Kalk mal weißer oder grauer. Ein besonders heller Kalkstein wie der Calix Blanca, der in Norditalien abgebaut wird, ist wegen seiner Farbe beliebt für die Herstellung von Edelputzen und Kalkfarben.

Sogenannte Luftkalke sind extrem reine Kalke, die allerdings nur sehr geringe Festigkeiten erreichen können. Die Festigkeit des Weißkalkhydrats, ein klassischer Luftkalk, liegt unter der eines NHL 2.
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Obacht im Abkürzungsdschungel: Ein NHL ist ein natürlich hydraulischer Kalk. Ein HL wiederum ist ein sogenannter hydraulischer Kalk. Diesen werden Sie bei uns nicht bekommen, da einem HL Zemente und/oder Puzzolane, beispielsweise Flugasche, zugesetzt sind. Flugasche ist aus dem Schornstein gefangener Feinstaub.

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Eine Ausnahme bei den natürlichen Kalken bildet der Trasskalk.Trasskalk ist ein formulierter NHL. Das bedeutet: Dem NHL 2 ist eine Substanz beigemischt, die die Funktion verbessert. Der Zuschlag ist auch hier ein Puzzolan, in diesem Fall allerdings ein natürliches Trassmehl. Trass ist ein Gestein, bestehend aus Tonerden, Silikaten, Kalkstein und Eisenoxid, dessen Komponenten durch Hitzeeinwirkung miteinander verschmolzen sind. In Verbindung mit dem NHL 2 und Wasser lässt sich eine enorme Bindefähigkeit und Druckfestigkeit erzielen. Trasskalk findet meist Verwendung bei Fundamenten von Fachwerkgebäuden oder in der Denkmalpflege.


Zement ist kein baubiologischer Baustoff. Produkte mit Zement erreichen eine Festigkeit, die in den meisten Fällen im Hausbau nicht notwendig ist. Ein Putz mit Zementzusätzen ist für die meisten Untergründe zu hart – und für den Bewohner ebenfalls. Durch die Härte arbeiten Untergrund und Putz nicht mit-, sondern gegeneinander. Unweigerlich kommt es zu Rissen, die dann weitere Schäden nach sich ziehen.

Herstellung von Kalk und Zement. Für die Herstellung von einem Baukalk wird das Gestein im Kalksteinbruch abgebaut, zerkleinert und anschließend gebrannt. Vereinfacht ausgedrückt: Die Temperatur beim Brennen entscheidet darüber, ob ein Baukalk oder ein Zement entsteht. Bei der Herstellung von Zement ist die Temperatur deutlich höher – die benötigte Energie dadurch aber auch. Leider fungiert in der Zementherstellung oft auch Müll als Brennstoff, da dieser einen hohen Brennwert hat; das sind die sogenannten FLUFF-Brennstoffe. Durch die hohe Temperatur ist der Kalkstein bei der Herstellung eines Zements „totgebrannt“. Feuchteaufnahme und Regulierung des Raumklimas finden in einem zementhaltigen Putz fast gar nicht mehr statt.

Sumpfkalk, Branntkalk und Luftkalk

Während des Kalkkreislaufs kann man verschiedene Werkstoffe gewinnen. Der noch nicht gelöschte Kalk ist der sogenannte Branntkalk. Dieser reagiert stark mit Wasser. Ein unüberlegtes Arbeiten mit einem Branntkalk ist grob fahrlässig! Branntkalk zu löschen ist spannend, aber auch sehr gefährlich. Es sollte dringend sichergestellt sein, dass genügend Wasser als Sicherheit vorrätig ist und dass nicht zu viel Branntkalk auf einmal gelöscht wird. Ein Eimer aus Kunststoff ist übrigens kein geeignetes Behältnis, um Branntkalk zu löschen (auch wenn dabei eventuell interessante Skulpturen entstehen).

Bevor Fertigmischungen üblich wurden, mischte man den Putz direkt auf der Baustelle. Oft wurde dafür ein Heißkalkmörtel gemischt, den man auch „Kalkspatzen-Putz“ nennt. Hierfür werden Sand und gebrannter Stückkalk geschichtet. Dieser Kuchen wird dann mit Wasser übergossen, geht in einer heftigen chemischen Reaktion und unter starker Wärmeentwicklung auf und wird entweder sofort als Heißputz verwendet oder in den nächsten Tagen als Kalkspatzen-Putz. Charakteristisch sind dafür die kleinen, hellen Kalkeinschlüsse, die im festen Mörtel zu sehen sind. Diese sind die sogenannten Kalkspatzen.

Sumpfkalk wird durch das Löschen von Kalk hergestellt. Beim Sumpfkalk wird Branntkalk (also entweder ein Weißfeinkalk oder ein Stückkalk) im Wasser gelöscht. Bis zu zwei Jahre verbleibt der Kalk im Wasser, jedoch ist der Zeitfaktor abhängig von der Größe der Kalkbrocken: Je gröber die Stücke sind, umso länger muss der Kalk einsumpfen. Verwendet man einen Weißfeinkalk, ist der Sumpfkalk schon am Folgetag gebrauchsfertig.

Der Sumpfkalk lässt sich zu einem Putz oder Anstrich für innen weiterverarbeiten. Da ein Putz aus Sumpfkalk vergleichsweise weich ist, empfiehlt sich nicht seine Verwendung als Fassadenputz.

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Kalkhydrat oder Sumpfkalk - was sind die Unterschiede?

Nach dem Brennen des Kalks muss dieser mit viel Wasser gelöscht werden, um zu einem Bindemittel für Putz oder Mörtel zu werden. Ein Sumpfkalk entsteht. Der Sumpfkalk liegt nun lange im Wasserbad und zerfällt dort auf natürliche Weise. Er wird im Laufe der Zeit immer feiner.
Kalkhydrat wird hingegen mit Wasserdampf gelöscht. Hier wird mit so wenig Wasser wie möglich gearbeitet, sodass der Kalk nach diesem Prozess fertig gelöscht und trocken ist. Der so gelöschte Kalk wird dann mechanisch in einer Kugelmühle zerkleinert.

Dem Sumpfkalk sagt man ein edleres Erscheinungsbild nach. Manche schwören auf Sumpfkalk: Es sei die puristischste Form des Kalks. Sumpfkalk wird mit einer ganz besonderen Tiefenwirkung und einem geradezu „lüsternen“ Glanz beschrieben. Die trockene Variante des Kalks, also die Kalkhydrate und die fertigen, trockenen Kalkputze, funktionieren technisch aber oft besser. Sumpfkalk ist nicht nur schön, Sumpfkalk ist auch ein bisschen Diva. Perfekte Oberflächen bekommt man mit den ausgereiften Fertigputzen meist besser hin.

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Romanzement

Romanzement, oder Romankalk, ist ein NHL, der durch seine Inhaltsstoffe besonders schnell aushärtet, außergewöhnlich hart wird und durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten ein echtes Zaubermittel ist.

Entgegen seinem Namen ist Romanzement jedoch frei von Zement: Die Bezeichnung RomanZEMENT kommt daher, dass dieser reine und natürliche Kalk härter werden kann als herkömmlicher Zement.

Verschiedene Bauweisen lassen sich mit Romankalk realisieren, bei denen ein rasches Abbinden, hohe Festigkeiten und Wasserdichtheit gefragt sind. Schnelles Abbinden ist bei Ansetzmörteln zum gipsfreien Einbau von Putzschienen notwendig. Für einen Ansetzmörtel eignet sich ein Hessler HP 9 KH, das ist ein Grundputz mit Hanffasern und 10 % Romankalk.

Dosen setzen ohne Gips? Ein idealer Fall für Romankalk. Die Abbindezeit ist teilweise so kurz, dass man ohne Erstarrungsverzögerer nicht mehr als eine Dose eingesetzt bekommt. Man sollte also unbedingt nur kleine Mengen anrühren, wenn man den Romankalk pur verwenden möchte.

Die schnelle Reparatur von ausgebrochenen Bohrlöchern funktioniert mit Romanzement genauso gut: Nach 5 Minuten Abbindezeit kann man erneut in die Wand bohren und den Dübel setzen. Auch ein Befestigen von Stiften als Aufhängung oder Auflager ist mit dem Romankalk möglich.

Kalkkreislauf – Alkalität von Kalk

Die schimmelhemmende Wirkung eines Kalkputzes begründet sich in der Alkalität des Kalks. Die Alkalität erklärt sich am besten anhand des Kalkkreislaufs.

Am Beginn steht der Kalkstein, der abgebaut und gebrannt wird. Beim Brennen verliert der Stein CO², welches er gespeichert hat. Danach wird er gelöscht: Das Wasser kommt hinzu. Bei einem Sumpfkalk verbleibt der Kalk jetzt im Wasser, bei einem Kalkhydrat wird der Kalk gelöscht, in einer Trommelmühle zerkleinert und getrocknet.

Beim Mischen mit Sand und Wasser entsteht der Putz, der auf die Wand aufgetragen wird. Während der Trocknung verliert der Putz das Wasser und nimmt aus der Luft wieder CO² auf. Der Kalk nimmt genau die Menge CO² auf, die er vorher beim Brennen verloren hat.


Das Aufnehmen des CO² ist ein Prozess, der, abhängig von Schichtdicke und verfügbarem CO², über viele Jahre hinweg geschehen kann. Je dicker die Schicht ist, desto langsamer dringt das CO² in die tieferen Schichten ein. Die Oberfläche verfestigt sich durch die Aufnahme des CO², doch mit zunehmender Härte wird das Durchdringen der oberen Schichten für das CO² immer schwerer. So sind die unteren Schichten flexibel und fest zugleich: fest genug, um auf dem Untergrund zu haften und flexibel genug, um das Arbeiten des Untergrundes zu erdulden.

Die Alkalität der Kalkoberfläche hält so lange an, bis der Putz durchgehärtet, also bis in die tiefen Schichten mit CO² gesättigt ist. Hat die Oberfläche fertig abgebunden, ist sie nicht mehr alkalisch. An diesem Punkt verliert der Kalkputz seinen natürlichen Schutz vor unliebsamen Siedlern wie Schimmel oder Moos. Der Prozess startet neuerlich durch das Auftragen neuen Kalks, wenn also beispielsweise ein Anstrich mit Sumpfkalkfarbe folgt.
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