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Farbwirkung

VON KOMPLEMENTÄR- UND NACHBARFARBEN

 

Welche Farbe ist die richtige?


Jeder Farbton hat seine eigene Wirkung, Ausstrahlung und Aussage – und damit seine ganz spezifische Beziehung zu Ihnen. Welche Farbe soll also welches Zimmer, welche Wand schmücken? Das ist mit Bedacht abzuwägen, da Farben einen erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden haben.
Farberlebnisse sind abhängig von Alter, Geschlecht, Charakter und Stimmung, darüber hinaus selbst von Erlebnissen. Grundlegende Gesetzmäßigkeiten sind jedoch erkennbar und durch Erfahrung und wissenschaftliche Tests nachgewiesen.
So sind beispielsweise Komplementärfarben nicht nur in ihrer Erscheinung ein Kontrast, auch der Einfluss auf den Menschen ist kontrastreich.

Gelb – Violett = leicht – schwer
Orange – Blau = warm – kalt
Rot – Grün = anregend – beruhigend
Purpur – Gelbgrün = ernst – heiter



Odoo • Text und Bild

Bei der Verwendung von Komplementärfarben fehlt die Harmonie und sie wirken unruhig.
Hier zwei Beispiele der Komplementärfarben orange/ blau und grün / rot.
Man bemerkt leicht, dass hier die Harmonie fehlt und die Ausstrahlung unruhig ist.



Der Farbkreis mit den Farbwirkungen auf den Menschen (aus dem Fernlehrgang Baubiologie IBN)


Im Farbkreis gegenüberliegende Farben (Komplementärfarben) sollte man nur sehr vorsichtig miteinander kombinieren, bei Nachbarfarben hingegen ist dies weniger problematisch. In dem Fall der Verwendung zweier Nachbarfarben und zusätzlich einer kontrastierenden Komplementärfarbe wirkt die Komplementärfarbe belebend.

Schwarz, Weiß und Grau sind zwar momentan, insbesondere im konventionellen Bauen, modern, doch sollten sie möglichst sparsam eingesetzt werden, da sie unserer Psyche und schon dem akuten Wohlbefinden nicht zuträglich sind. (Halten Sie sich einfach Ausdrücke wie „grausam“, „grauenhaft“, „Grauzone“ und ihre jeweilige Bedeutung vor Augen und überlegen Sie, was los ist, wenn einen „das kalte Grauen“ überkommt). Schwarz, auch in allen Abstufungen mit weiß zu grau vermischt, ist eine negative, belastende, trübe und bedrohliche Farbe. Konventionelle Farben haben zudem meist eine sehr geringe Farbtiefe. Wenn es also der Mode wegen schon ein Grau sein muss, dann halten Sie sich an ökologische Farben: Deren Grautöne, von denen viele mit einer Spur von „positiven“ Farbtönen versetzt sind, verbreiten weniger Trübseligkeit als die harten, kalten Mode-Grautöne.

Die Grautöne der ökologischen Farben sind aus mehreren Komplementärfarben gemischt, wodurch eine farbreiche und bezaubernde Farbtiefe entsteht (sehen Sie sich beispielsweise die conlino Farbtöne Elefant oder Ardesia an, hier sind blau-violette Töne tonangebend).
Das Blau als kalte, ruhige und friedliche Farbe vereint mit dem Violett, das mit Schwere, Einsamkeit und Melancholie charakterisiert wird, macht durch diese Gegensätze das Grau zu einer „vollen“ und gefühlvollen Farbe.
Nachbarfarbtöne harmonieren meist sehr gut miteinander. Gelbliche Töne wirken erhellend, behaglich, strahlend freundlich und befreiend. Daher eignen sich Farbtöne wie Sandstein, Tinaja, Mergel, Lehmocker oder Mergel besonders für die Hauptwohnräume, in denen wir uns viel aufhalten.
Die rötlichen Farbtöne, pur oder miteinander kombiniert, wirken kräftig, anregend, vitalisierend; bei einer Tendenz in Richtung orange kommt dann Wärme hinzu. Im Bad, wo man wach wird, empfiehlt sich die Verwendung eines rötlichen Farbtons wie beispielsweise Massada oder auch Akzente aus Lehmrot.
Bräunliche Farben wirken stabilisierend, warm und treu und vermitteln Sicherheit. Sie sind ideal für die Küche, die häufig das Herz des Hauses ist und als Zubereitungsort unserer Lebensmittel schon ein Ort des Schutzes und Lebensunterhalts ist. Hier sollten wir uns sicher fühlen; die Farbtöne Tinaja, Barro Tinaja, Massada oder Mergel unterstützen das.

Weiß ist nicht gleich weiß

Farben sind Reflexionen der Lichtwellen auf Gegenständen, die verschiedene Farben absorbieren und nur das Licht in der je spezifischen Wellenlänge (Frequenz) zurückspiegeln. Dieses Prinzip ist bei Weiß leicht verständlich:
Weiß ist wie das Licht: klar, offen und rein. Künstliches Weiß hingegen, wie es in konventionellen Farben vorherrscht, kann blenden, unbehaglich und kalt wirken. Das entsteht durch die Zusammensetzung des Weiß. Die monochromen, einfarbigen, künstlichen Weißtöne schwingen aufgrund von nicht vorhandener Farbvielfalt nur auf einer sehr schmalen Frequenz.
Das Farbspektrum der natürlichen Farben ist größer und die Reflexion ist dadurch vielfältiger. Weiße Naturfarben wirken nicht kalt und blendend.

Zusätzlich zur Farbpsychologie beeinflussen die jeweiligen Materialeigenschaften jedes Baustoffs das Endergebnis.
So vermitteln Lehmfarben ein weiches und geborgenes Gefühl, während eine Kalkfarbe klarer, direkter und fester wirkt. Eine Silikatfarbe kann sogar hart und unnahbar wirken, was auch ihrer physikalischen Natur entspricht: Sie ist unter allen Naturfarben am stabilsten.
 

Odoo • Text und Bild

Ratschläge zur Auswahl von Farben für den Wohnbereich

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Farbgestaltung Ihrer Wohnräume.
Da sind zunächst Sie selbst. Beobachten Sie sich, reflektieren Sie: In welchen Farbtönen fühlen Sie sich mehr oder weniger wohl? Mögen Sie Farben eher gedeckt oder laut? Erdig, fröhlich, kühl, knallig, sachlich? Jede Farbe sollte in einer positiven Beziehung zu den Menschen stehen, die sich mit ihr umgeben.

Dann: der Raum. So individuell wie Ihr ästhetisches Empfinden, ist auch jeder Raum einzigartig in Fläche, Höhe, Proportionen, Form, Helligkeit, Himmelsrichtung, Lichteinfall ins und Aussicht aus dem Fenster.

Um ein angenehmes Wohnklima zu erzeugen, gibt es ein paar Faustregeln: Kleine Räume sollte man nicht zu dunkel streichen, um kein beengendes Gefühl hervorzurufen, und intensive Farben nur in Räumen mit kurzer Aufenthaltsdauer verwenden, sie wirken schnell aufregend. Wohnräume sollen hingegen beruhigen und zur Erholung beitragen.
Krasse Farbkontraste wirken zwar oft interessant, doch auf die Dauer können sie auch Chaos und Unruhe schaffen. Dekorationen und Zierrat harmonieren mit dem Gesamtbild des Raumes, wenn sie in ähnlichen Farben (Nachbarfarben) gehalten sind, doch die Nutzung von Dekoration in Komplementärfarben empfiehlt sich nur für solche Objekte, die auch zerstörungsfrei wieder entfernt werden können.
Ist schon das Gebäude wechselhaft und formenreich, sollte nicht noch durch die Verwendung verschiedener Farben Unruhe eingebracht werden. Geradlinige, klar geformte und undifferenzierte Gebäude hingegen können durch abwechslungsreiche Anstriche stimulieren.
Warmen Farben wie gelb oder orange ist vor kühlen Farben (grün, blau) der Vorzug zu geben. Sie schaffen eine wohligere Atmosphäre.

Die Auswahl lässt sich zuhause durch Farbkarten und durch das Anlegen von Musterflächen vereinfachen, wobei die Musterflächen optimal sind, da sie den Raum, den Untergrund und die Lichtverhältnisse in die Farbüberlegung mit einbeziehen.

Notabene: Farben am Bildschirm und auf gedruckten Farbkarten können teilweise stark vom Originalfarbton abweichen.

Und warum überhaupt Naturfarben?

Naturfarben haben, verglichen mit konventionellen Farben, viele Vorteile:

  • Geringer Primärenergieverbrauch für die Herstellung

  • Meist regionale Herstellung auf Basis von regionalen Rohstoffen (kein Erdöl)

  • Raumklimatische Wirkung von Lehm- oder Kalkputz bleibt erhalten und wird gefördert: atmungsaktiv, teilweise luftreinigend, teilweise schadstoffbindend

  • Keine elektrostatische Aufladung (konventionelle Farben enthalten Kunststoffanteile, die durch die leichte Berührung mit Staubpartikeln aus der Luft angeregt und elektrostatisch aufgeladen werden – wie der Luftballon, den man an den Haaren reibt)

  • Meistens leichter nachzubessern

  • Keine giftigen Bestandteile

  • Angenehmerer Geruch

  • Harmonische und lebendige Farbwirkung

  • Anregende Textur

  • Entsorgung über den Kompost möglich (konventionelle Farben sind meist Sondermüll und mit konventioneller Farbe gestrichene Baustoffe werden dadurch dann ebenfalls zum Sondermüll